Wenn Sie sich mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BaFG) beschäftigen, stolpern Sie früher oder später über eine Abkürzung: WCAG. Meistens gefolgt von kryptischen Zahlen wie "2.1", "2.2" oder "Level AA".
Für Nicht-Techniker wirkt das abschreckend. Doch eigentlich ist es ganz einfach: Die WCAG sind die "Bauvorschriften" für das Internet. In diesem Artikel erklären wir Ihnen verständlich, was sich dahinter verbirgt und welche Regeln Ihre Webseite erfüllen muss.
Was heißt WCAG?
Die Abkürzung steht für Web Content Accessibility Guidelines (Richtlinien für barrierefreie Webinhalte). Sie werden vom W3C (World Wide Web Consortium) entwickelt – das ist quasi die Weltregierung für Internet-Standards. Das österreichische Gesetz hat das Rad nicht neu erfunden, sondern verweist einfach auf diesen internationalen Gold-Standard. Aktuell ist meist die Version 2.2 relevant.
Die 3 Stufen: A, AA und AAA
Die WCAG teilen Barrierefreiheit in drei Qualitätsstufen ein:
- Level A (Das Minimum): Die absoluten Basics. Wenn Sie das nicht erfüllen, ist die Seite für viele Menschen komplett unnutzbar. (Beispiel: Die Seite lässt sich überhaupt per Tastatur bedienen).
- Level AA (Der gesetzliche Standard): Das ist Ihr Ziel. Das BaFG und die EU-Richtlinien verlangen in der Regel Level AA. Hier ist die Seite für fast alle Menschen gut nutzbar.
- Level AAA (Die Kür): Die höchste Stufe. Sie ist sehr streng (z.B. Gebärdensprache-Videos für alle Texte) und gesetzlich meist nicht gefordert.
Das Prinzip "POUR": Die 4 Säulen
Die WCAG basieren auf vier Prinzipien. Wenn Ihre Webseite diese erfüllt, sind Sie auf der sicheren Seite:
1. Wahrnehmbar (Perceivable)
Können die Nutzer die Inhalte sehen oder hören?
- Das Problem: Ein blinder Nutzer sieht Ihr Produktbild nicht.
- Die Lösung: Ein "Alt-Text" im Code beschreibt das Bild ("Roter Turnschuh, Seitenansicht"). Der Screenreader liest das vor.
- Auch wichtig: Sind die Farbkontraste stark genug für Menschen mit Sehschwäche?
2. Bedienbar (Operable)
Kann man die Seite benutzen?
- Das Problem: Viele Menschen können keine Maus bedienen (z.B. bei Zitterlähmung/Parkinson oder gebrochenem Arm).
- Die Lösung: Der gesamte Shop, jedes Menü und jeder Button muss allein mit der Tab-Taste der Tastatur erreichbar und bedienbar sein.
3. Verständlich (Understandable)
Versteht der Nutzer, was passiert?
- Das Problem: Ein Formularfeld wird rot, aber es steht nicht dabei, warum.
- Die Lösung: Klare Fehlermeldungen ("Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein") und eine konsistente Navigation, die nicht auf jeder Unterseite woanders sitzt.
4. Robust (Robust)
Funktioniert der Code sauber?
- Das Problem: Schlampiger Programmcode wird von Browsern oft noch angezeigt, aber Hilfstechnologien (Screenreader) stürzen ab oder lesen Kauderwelsch.
- Die Lösung: Valider, sauberer HTML-Code nach aktuellen Standards.
Fazit: Kein Hexenwerk, sondern Handwerk
Die WCAG sind keine Schikane, sondern eine Qualitätssicherung. Eine Seite, die WCAG-konform ist, ist meistens auch schneller, besser für Google (SEO) optimiert und benutzerfreundlicher für alle Kunden.
Sie müssen diese Regeln nicht auswendig lernen. Das ist unser Job. Wir prüfen Ihre Seite Punkt für Punkt gegen diese Standards.
➔ Ist Ihre Seite "POUR"? Lassen Sie es uns unverbindlich prüfen.